Noch immer Vermisst Aus dem Lausitzer Anzeiger vom 13. September 2005: Vor fünfzig Jahren verschwand die kleine Veronika Meskuk spurlos. Obwohl quasi die gesamte Oberlausitz nach ihr abgesucht wurde. Vielen unserer Leser wird die Geschichte bekannt sein, auch wenn sie damals noch klein waren oder noch gar nicht auf der Welt. Genauso wie die Traditionen und Bräuche von Generation zu Generation weitergegeben werden, wandern auch die Geschichten der Region durch die Familien. Aber diese Geschichte ist leider kein Märchen, sondern grausame Tatsache für die Familie des Mädchens. Das letzte Foto zeigt sie noch eifrig bei der Handarbeit (sie ist das rechte von den beiden Mädchen in der ersten Reihe). Es wurde wenige Monate vor ihrem Verschwinden aufgenommen. Die Kleine, das jüngste von vier Geschwistern, spielte gern allein im Hof, wenn sie nicht las oder Schulaufgaben machte. Der Hof war meist geschlossen, aber Veronika rannte besonders im Herbst auch gern in die Felder, besonders die Garben hatten es ihr angetan. Anbei finden Sie auch ein Foto von dem Feld, von dem sie verschwand. Stundenlang konnte sie da rennen und rennen. Ihre Eltern und die Geschwister schauten immer mal nach ihr, aber eigentlich war das nicht notwendig, Veronika kam immer wieder heim. Bis auf den 15. September 1955. Um sechs gab es Abendbrot und sie war nicht da. Sofort wurden alle alarmiert, alle suchten nach ihr, doch vergebens. Veronika blieb wie vom Erdboden verschluckt. Nur ein Stück Stoff fand man, sorgfältig an einen Stock gebunden, der in die Erde gerammt worden war. Wie eine Fahne wehte die Leinwand im Wind. Das war ihr Schultertuch. Eigentlich war es wirklich nur ein Stück Leinwand, aber die Kleine liebte es und legte es sich um, wenn sie nach draußen zum Spielen ging. Das war alles, was von ihr blieb. Fast alles. Noch Jahre später glaubten ihre Familie und ihre Freunde, sie im Feld singen zu hören, sie sang sehr gern. Ihre Schulfreunde, die später an Universitäten im ganzen Land studierten, glaubten oft, sie zu sehen. Das stellte sich jedoch bisher immer als Irrtum heraus. Die Eltern, inzwischen hochbetagt, warten immer noch auf sie. Nachts wird ein Licht ins Fenster gestellt, dahinter das Stück Leintuch. Bewunderungswürdig ist die Haltung dieser Familie. Timo, der große Bruder, der mit seiner Frau den Hof der Eltern übernahm, sagte uns gegenüber: „Wir haben uns immer eingeredet, dass ihr nichts Schlimmes passiert ist. Wir sind nie von einem Verbrechen ausgegangen. Das konnten wir nicht, daran wären wir zugrunde gegangen. Wir dachten, sie hätte sich vielleicht verlaufen, irgendwie. Vielleicht ist sie in Richtung Polen gegangen und hat dort ein neues Leben angefangen. Das würde uns nicht wundern, sie war so, auch schon mit neun. Sie hatte Stärke und Entschlossenheit, sie wusste genau, was sie wollte. Das Tuch mit der Fahne haben wir als Zeichen gesehen, als Abschiedsgruß, als wollte sie uns sagen: „Machts gut und macht Euch keine Sorgen um mich.“ Das klingt sehr naiv, aber wir alle sind uns einig, dass sie noch lebt und irgendwann zurückkommt.“ Diese Geschichte wird mit der Zeit sicher mit den vielen anderen Mythen der Oberlausitz verwoben werden, sodass das kleine Mädchen für uns alle weiterlebt. Dennoch hier unsere Bitte: sollten Sie, auch nach so langer Zeit, Informationen über den Verbleib des Kindes haben, melden Sie sich bitte einfach bei unserer Redaktion. — 2 months ago

Eine weitere Geschichte hinzufügen ...